Genetik

 Vererbung Zufall mit System

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Verzeichnis:

Teil 9

Heute werden wir ohne besondere Einleitung die Meiose zu Ende führen. Später fassen wir dann all das zusammen, was an dieser besonderen Zellteilung für unser Vorhaben wichtig ist. In der letzten Abbildung aus dem 3. Teil (Abb. 5) war die Anaphase-I zu sehen. In der Telophase-I wandern die beiden Chromosomengruppen zu den beiden Zellpolen und verharren dort kurz in der Interkinese, einer speziellen Interphase. Dabei werden die Chromosomen jedoch nicht entspiralisiert, sondern verbleiben in der Transportform, denn es folgt nun unmittelbar die Meiose-II. Ohne daß eine Zellwand eingebaut oder Kernmembranen gebildet werden, verhalten sich die beiden

 

 Chromosomengruppen wie zwei getrennte Zellen, die nun synchron eine mitoseartige Teilung vollziehen. Nach einer kurzen Prophase-II5xordnen sich die beiden Chromosomengruppen in der Metaphase-II in zwei getrennte Aquatorialplatten an. Die beiden Teilungsebenen stehen senkrecht zu der ersten Teilungsebene, wie wir aus Abb. l entnehmen können.

Aus den Gameten werden Spermien

Wir sehen hier die Anaphase-II, und es sieht so aus, als ob zwei mitotische Anaphasen nebeneinander gezeichnet wären. Die beiden identischen Chromatiden eines jeden Chromosoms sind voneinander getrennt worden. Der kleine Unterschied besteht darin, daß in jeder Chromosomengruppe nur noch eines der beiden Homoigen vorhanden ist. Es geht nun ganz normal weiter. In der Telophase-II wandern die Chromosomen endgültig zu den vier Zellpolen und beginnen sich zu entspiralisieren. Es werden senkrecht zueinander zwei Zellwände eingezogen und um jede der vier Chromosomengruppen eine Kernmembran gebildet. Das Endprodukt sind vier voneinander unabhängige Zellen in der Interphase, die vier Gameten, die sich in unserem Fall getrennt voneinander zu Spermien entwickeln, denn wir haben die Meiose ja an einem Modell-Kater betrachtet. Hätten wir unsere Katze aus dem 2. Teil als Modell genommen, dann wäre aus einem der vier Teilungsprodukte eine Eizelle oder Oocyte entstanden, die übrigen drei wären zu den sog. Polkörpern verkümmert. Welches von den vier Teilungsprodukten nun zur Eizelle wird, bleibt allerdings dem schon so oft erwähnten ZUFALL überlassen. Bevor wir uns aber weiter mit dem ZUFALL befassen, wollen wir die für unsere genetischen Analysen und Berechnungen wichtigen Schritte der Meiose noch einmal wiederholen und zusammenfassen.

Heute wollen wir uns, wie bereits angekündigt oder fast angedroht, mit den "Silbernen" und den "Roten" auseinandersetzen. Fast angedroht deshalb, weil der Zusammenhang zwischen Genotyp und Phänotyp nicht einfach darzustellen und zu verstehen ist. Die Wirkungen der beiden Farbgene werden von Polygenen so stark beeinflußt, daß gleiche Genotypen bezüglich der Hauptgene zu ganz unterschiedlichen Farbschlägen führen. Außerdem kommen wir nicht umhin, das Gebiet der "einfachen Farben" (Non-Agoutis) zu verlassen. Wir müssen die Tabby-Katzen, die ja alle das Agouti-Allel tragen, ab jetzt mit einbeziehen. Die einzelnen Formen der Tabby-Zeichnungen besprechen wir aber später. Wir merken uns jetzt nur, daß Agouti-Katzen (A/A oder A/a) immer irgendeine Form von Tabby-Zeichnung tragen, während Non-Agouti-Katzen (a/a) an keiner Stelle im Fell ein Tabby-Muster zeigen. Diese Aussage gilt für alle Farben bis auf die "Roten", die wieder einmal die berühmte Ausnahme bilden, die es bekanntlich ja zu jeder Regel geben soll. Rote Katzen oder die roten Flecken bei mehrfarbigen Katzen sind immer tabby-gemustert, egal ob sie Agoutis oder Non-Agoutis sind.

 Nach der Besprechung der Gene und deren Allele folgt wieder die obligatorische Tabelle. Ich habe schon einmal erwähnt, daß ich mich darum bemühe, daß die Genotypen-Liste vollständig ist. Allerdings bleiben Genotypen, die zu erheblichen Mißbildungen führen oder die züchterisch nicht von Bedeutung sind, weiterhin außen vor. Sollte ich dennoch etwas vergessen haben oder haben Sie hinsichtlich einer bestimmten Farbe andere Erfahrungen gesammelt, dann tun Sie zweierlei: Üben Sie Nachsicht mit mir und informieren Sie mich, denn auch ich möchte gerne noch etwas dazu lernen.

Das I-Gen (Allele: I, i)

 Das Melanin-Inhibitor-Gen wird auch oft Silber-Gen genannt und die Katzen, die das dominante Inhibitor-Allel (I) tragen, der sogenannten "Silber-Gruppe" zugeordnet. Bleiben wir aber lieber bei der Bezeichnung Inhibitor-Gen, denn wie wir gleich sehen werden, sind die wirklich "Silbernen" nur ein kleiner Teil der Katzen mit dem I-Allel.

Allel I = Melanin-Inhibitor

Die Wirkung des mutierten, aber dominanten I-Allels wird oft so beschrieben: Das Pigment (Melanin) wird aus dem Haargrund und dem Unterfell verdrängt. Nur die dunkle Färbung der Haarspitzen, eben der "tips" bleibt erhalten, weshalb man die Gruppe besser als Tipped-Katzen bezeichnen sollte. Die "Silbernen" sind dann einfach eine Untergruppe davon. Und wie wir noch sehen werden, gibt es eine ganze Menge weiterer Untergruppen.

Genauer betrachtet entstehen die Tipped-Haare gerade anders herum. Das Pigment wird nicht im Haar selbst gebildet, sondern in der Haarwurzel, die ja ein Teil der Unterhaut ist. Wenn das Haar wächst, sich also durch die Wurzelscheide nach außen schiebt, wird gleichzeitig Pigment aus der Haarwurzel in das Haar selbst transportiert und dort eingelagert. Das Inhibitor-Gen beeinflußt zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Gene diesen Pigment-Transport zum wachsenden Haar. Das I-Allel behindert diesen anfänglich normalen Transport zunehmend. Daher ist die Haarspitze normal gefärbt, während zum Haargrund hin die Farbintensität immer mehr abnimmt. Dadurch, daß dieser Effekt polygen veranlagt ist, kommt es zu einer großen Variationsbreite. Die Tips können unterschiedlich lang sein und die Aufhellung des Haargrundes reicht von einer lediglich leichten Abschwächung der Normalfarbe bis zu einem silberhellen Weiß. Bei den Agoutis bleiben die Haare in der Tabby-Zeichnung fast unbeeinflußt, während die in den dazwischen liegenden Agouti-Bereichen, also die normalerweise typisch gebänderten Haare, maximal aufgehellt sind und nur noch ganz kurze Tips aufweisen. Aufgrund der polygenen Veranlagung kann eine bestimmte Tipped-Variante nur durch konsequente Linienzucht aufrecht erhalten werden.

Smokes ohne Agouti

Fangen wir mit der Beschreibung der Smokes oder Rauchfarbenen an, der einzigen Non-Agouti-Form der Tipped-Katzen. Die Tips machen etwa 2/3 der Haarlänge aus, daher auch bei manchen Autoren die Bezeichnung "starkes Tipping". Der Haargrund ist fast weiß, aber immer noch stärker pigmentiert als in den Agouti-Bereichen der Tabbys. Diese und die folgenden Maßangaben sind nur ungefähre Schätzungen und unterliegen der schon angesprochenen Variationsbreite durch die Polygene. Gehen Sie also bitte nicht bei Ihrer Katze nachmessen, sondern lassen Sie es dort auch bei einer augenscheinlichen Schätzung. Die typischen Smoke-Farben sind die Smoke selbst, besser als Black-Smoke bezeichnet, Blue-Smoke, Chocolate-Smoke und Lilac- bzw. Lavender-Smoke. Eine Smoke-Katze sieht auf den ersten Blick einfarbig aus, erst wenn das Fell geteilt wird sieht man den silberweißen Untergrund. Dieser Effekt ist natürlich bei den dunklen Farben black-smoke, blue-smoke und chocolate-smoke besonders eindrucksvoll. Als Augenfarbe wird bei den Smokes dunkles Gelb bis Kupfer bevorzugt, bei den Orientalisch Kurzhaar sollen die Augen jedoch bei sonst gleichem Genotyp möglichst grün sein. Nasenspiegel und Fußballen tragen die Farbe der Tips.

Tipping nur im Agouti Bereich der Tabbys

Die folgenden Tipped-Varianten sind alle Agoutis. Wenn wir nach der Länge der Tips sortieren, dann sind jetzt die Silbernen dran, die besser Silver-Tabbies genannt werden. Bei ihnen tritt das Tipping nur in den hellen Agouti-Bereichen auf, während die Haare in der Tabby-Zeichnung bis auf einen kurzen hellen Bereich am Haargrund kräftig durchgefärbt sind. Da die Tips in den Agouti-Bereichen nur höchstens 1/3 der Haarlänge ausmachen, ergibt sich ein hoher Kontrast zwischen dem silberweißen Untergrund und dem dunklen Tabby-Muster. Der Nasenspiegel ist rot oder rosa und in der Farbe des Tippings umrandet. Und genau da machen uns die Roten schon wieder einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Red-Smoke und Red-Silver-Tabby (Cameo-Tabby) können den gleichen Genotyp haben, da die Tabby-Zeichnung unabhängig vom Agouti-Allel auftreten kann. Der Kontrast zwischen Grundfarbe und Tabby-Muster kann durch Linienzucht so weit verringert werden, daß die Katze einfarbig mit silberweißem Untergrund erscheint, dann ist es eine Red-Smoke. Ob sie aber Agouti oder Non-Agouti ist, kann man weder bei der Red-Smoke noch bei der Cameo-Tabby mit absoluter Sicherheit erkennen. Da hilft nur ein gründliches Studium der Stammbäume der Elterntiere. Aber bleiben wir bei unseren schon besprochenen Farben. Da steht natürlich an erster Stelle die Farbe Blacksilver-Tabby, die kurzerhand einfach Silver-Tabby genannt wird. Dann folgen, wie bei den Smokes, Bluesilver-Tabby, Chocolatesilver-Tabby und Lilacsilver-Tabby bzw. Lavendersilver-tabby.

Shadeds sind aufgelöste Tabbys

Kommen wir zur nächsten Untergruppe, den Shaded. Die Tips haben etwa dieselbe Länge wie bei den Silver-Tabbies. Entsprechend wird diese Form als "mittleres Tipping" bezeichnet. Auch der Genotyp ist derselbe, es sind Agoutis, die eigentlich eine Tabby-Zeichnung haben müßten. Die Tatsache, daß bei Langhaar-Katzen ein Tabby-Muster in der Regel nicht so deutlich ausfällt und ausdauernde Linienzucht haben dazu geführt, daß die ürsprüngliche Zeichnung sozusagen polygen aufgelöst worden ist. Bei Jungtieren mit kurzem anliegenden Fell kann man als Geisterzeichnung die Herkunft oft noch deutlich erkennen. Auf jeden Fall haben die Shaded einen roten oder rosa Nasenspiegel, der in der Farbe der Tips umrandet ist. Die Augen sind häufig grün. Die Farbbezeichnungen sind ähnlich wie bei den Tabbies, nur daß anstatt -tabby die Endung -shaded angehängt wird. Übersetzt man shaded, kommt "schattiert" heraus. Verwendet man konsequent die deutschen Begriffe, müßte die Silver-Shaded eigentlich schwarzsilber-schattiert heißen. Wenn dann noch ein paar Nuancen dazu kommen, wird schnell ein Zungenbrecher daraus. Bleiben wir also bei den etwas eleganter klingenden englischen Bezeichnungen und definieren die Silver-Shaded als Blacksilver-Shaded.

Wie zu erwarten, sind bei der letzten Gruppe die Tips noch kürzer. Bei dem "leichten Tipping" oder bei den Shells bekennt nur noch 1/8 der Haarlänge Farbe. Zusammen mit dem silberweißen Haargrund verleiht dies dem Fell funkelnden Effekt, der besonders bei Bewegungen deutlich zum Vorschein kommt. Shell kommt von Muschel, wobei sicherlich nicht die Außenseite der Schale gemeint ist, sonder die glitzernde und glänzende Innenseite. Sonst gelten die gleichen Bedingungen wie bei den Shaded. Nur daß bei den Farben schwarz, blau, chocolate und lilac nicht shell, sondern -chinchilla angehängt wird. Steht Chinchilla allein, so ist damit  Blacksilver-Chinchilla gemeint. Diese Bezeichnung ist von den gleichnamigen Nagetieren abgeleitet, was allerdings irreführend ist, weil die Farbverteilung genau umgekehrt ist. Die Nager haben einen dunklen Haargrund und helle Spitzen.

Pewter als Zwischenstufe

Um die ganze Sache noch zu verkomplizieren, gibt es noch zwei Ausnahmen, wobei uns da die Genotyp-Analyse völlig im Stich läßt. Wird eine homozygote Silberne (I/I), z.B. Chinchilla oder Shaded, mit einer "nicht-silbernen" Tabby-Katze (i/i) verpaart, sollte daraus nach den Mendel'schen Regeln eine heterozygote Silberne (I,i) entstehen, denn das Inhibitor-Allel ist ja dominant. Nichts dergleichen passiert. Was dabei herauskommt, steht irgendwo zwischen Shaded und Chinchilla. Das Unterfell ist weiß, die üppige Haarspitzenfärbung erweckt den Eindruck, als ob das Tier einen "Farbmantel" trüge, das Tier erscheint zinnfarben, daher der Name Pewter. Der Nasenspiegel ist ziegelrot mit schwarzer Umrandung, die Fußballen sind dunkel und die Augen kupferfarben ohne grünen Einschluß.

Die zweite Ausnahme gehört eigentlich gar nicht zu den Silbernen, weil der Genotyp homozygot nicht-silber (i,i) ist. Es sind Tabby-Katzen, die von heterzygoten (I,i) Chinchillas abstammen. Wohlgemerkt, von echten Chinchillas und nicht von Pewter. Man kann sich diesen besonderen Farbschlag nur dadurch erklären, daß die Polygene der Chinchilla-Eltern trotz Nicht-Silber-Genotyp voll wirksam sind. Der erfahrene Züchter weiß schon, worauf ich hinaus will, auf das zweite Edelmetall, die Goldenen oder Golden-Tabbies. Der Haargrund ist nicht weiß, sondern zeigt ein intensives warmes Creme. Das kommt daher, daß in den Agouti-Bereichen das gelbe Agouti-Band der Haare ausgeweitet ist, die Polygene der Eltern verstärken die Gelb-Pigmentierung. Erinnern wir uns, die normale Agouti-Bänderung ist heller Haargrund, dunkles Band, gelbes Agouti-Band und dunkle Haarspitze. Bei den Golden-Tabbies ist der Haargrund hellblau, dann folgt das ausgeweitete intensivgelbe Agouti-Band und zuletzt die in der Regel schwarze Haarspitze. Aber auch andere Farben werden schon gezüchtet, so gibt es insbesondere bei den Kurzhaar-Rassen schon chocolate-golden, blue-golden und vereinzelt lilac-golden. Bei den ursprünglichen Golden-Tabbies ist der Nasenspiegel tiefrosa mit sealbrauner Umrandung, die Fußballen sind ebenfalls sealbraun, die Augen grün, höchstens blau-grün.

Allel i = normaler Melanineinbau

Die Wirkung des in diesem Fall rezessiven Wildtyp-Allels ist auf jeden Fall schneller beschrieben als die des mutierten Allels. Die normale Farbstoffeinlagerung in das wachsende Haar wird nicht behindert. Es entstehen auf der ganzen Länge durchgefärbte Haare oder in den Agouti-Bereichen Haare mit der gewohnten Agouti-Bänderung. Ich habe in diesem Abschnitt den Begriff Melanin absichtlich durch die allgemeine Bezeichnung Farbstoff ersetzt, weil der fälschlicherweise als "Melanin-Inhibitor" bekannte Faktor natürlich nicht nur auf das Melanin wirkt, sondern auf alle uns bekannten Fellfarb-Pigmente. Aber diese Tatsache ist Ihnen sicher schon bei der Besprechung von chocolate-silver aufgefallen. Auch wenn wir die "Roten" besprechen, werden wir den Melanin-Inhibitor nochmal aus der Schublade ziehen müssen, auch wenn die Farbe rot oder orange nichts mit Melanin zu tun hat.

Jetzt ist wieder einmal ein Tabelle fällig. Wie Sie sehen, habe ich den Dm-Faktor doch noch einmal mitgeschleppt. Nur damit Sie sich erinnern, daß unsere Katzen normalerweise die homozygot-rezessive Allelenkombination tragen, lediglich für blau und lilac führt die weitere Modifikation der Verdünnung zu ansprechbaren Ergebnissen. Neu ist das Agouti-Allel und der (Melanin)-Inhibitor mit seinen beiden Schalterstellungen.

9.1mupa

 

Teil 10

DAS TABBY GEN (ALLELE: Tª, T, tb)

Obwohl Tabby als Oberbegriff für alle getigerten, gestromten und getupften Katzen so schön englisch klingt, ist es doch kein angelsächsischer Fachterminus. Das Wort „Tabby" gibt es für sich allein im Englischen gar nicht. Nur der Wortverbindung „tabbycat" wird die Übersetzung „getigerte Katze" zugesprochen. Die Tiger-Streifung ist die ursprüngliche Form der Katzenfärbung, ein echter Wildtyp, denn sie stammt von den wildlebenden Vorfahren der Hauskatze.
Die Tabby-Zeichnung dient dazu, die Umrisse des Tieres aufzulösen und es sozusagen mit dem Hintergrund verschmelzen zu lassen. Aber wir wollten ja die Herkunft des Wortes tabby ergründen: In Bagdad, der Hauptstadt des Irak, gab es ein Stadtviertel mit dem Namen Al'stambiya. Dort wurden hauptsächlich Seidenstoffe in den Farben und Mustern von Katzenfellen hergestellt. Aus den Mustern von Al'stambiya wurde der Begriff Tabby-Zeichnung für die getigerten, gestromten und getupften Katzen abgeleitet. Wie wir gleich noch sehen werden, bewirkt jedes Allel des Tabby-Gens die Ausprägung irgendeiner Form von Tabby-Zeichnung. Es gibt kein Non-Tabby-Allel.
Da es auch kein Gen ohne Allel gibt, muß jede Katze genetisch eine Tabby-Katze sein. Woher kommen dann die einfarbigen Katzen bzw. Tiere ohne Tabby-Zeichnung? Das wissen wir auch schon. Sie erinnern sich: Nur bei Agouti-Tieren (A/A oder A/a) ist eine Zeichnung vorhanden, bei Non-Agouti-Tie-ren dagegen wird durch die Allelenkombination (a/a) des Agouti-Gens die Wirkung des Tabby-Gens unterdrückt.
Man nennt die Konstellation, bei der eine bestimmte Allelenkombination eines Gens die Wirkung eines ganz anderen Gens beeinflußt, eine Epistasie-Hypostasie-Beziehung. Anders ausgedrückt: Das epistatische Gen (hier Agouti-Gen) verändert durch eine bestimmte Allelenkombination (hier a/a) die Merkmalsausprägung des hypostatischen Gens (hier Tabby-Gen). Andere Allelenkombinationen des epistatischen Gens (zum Beispiel A/A oder A/a) sind dagegen wirkungslos. Bitte verwechseln Sie Epistasie-Hypostasie nicht mit Dominanz oder Rezessivität, denn dort beeinflussen sich lediglich die Allele ein und desselben Gens untereinander.
Das Tabby-Gen ist also eines der Farbgene von wirklich zentraler Bedeutung und für das Überleben der wildlebenden Katzen und deren Vorfahren ausschlaggebend. Die Wichtigkeit drückt sich darin aus, daß jede Katze genetisch eine Tabby-Katze ist. Alle Mutationen des Tabby-Gens, die die natürliche Auslese überdauert haben, führen wieder zu Tabby-Katzen, es gibt keine Non-Tabby-Form. Erst durch eine Veränderung der Auslesebedingungen (Domestizierung, Zucht) konnte sich die Mutation eines anderen Gens, dessen neues Allel durch Epistasie auf das Tabby-Gen
Einfluß nimmt, durchsetzen. Das Tabby-Gen mit seiner etablierten Allelenausstattung ist weiterhin selbst unter den veränderten Auslesebedingungen stabil geblieben. Aber nun genug der langen Vorrede, kommen wir zu den drei Allelen des Tabby-Gens.

ALLEL T = MACKEREL-TABBY

Dieses Allele repräsentiert den Wildtyp, ist aber nicht zugleich dominant. Überhaupt sind die Beziehungen der Allele des Tabby-Prinzips zu beschreiben, es gibt da sehr viel feinere Nuancen. Aber dazu später mehr. Der Begriff „Mackerel" leitet sich von der Makrele ab, denn die Mackerel-Zeichnung soll entfernt an die Rückenzeichnung des bekannten Speisefisches erinnern. Wenn ich nun die Mackerel-Zeichnung und deren Zustandekommen beschreibe, dann gilt vieles für die Tabbys allgemein, da es sich ja um den Wildtyp handelt. Für die anderen Tabby-Varianten bleiben dann nur die kurzen Darstellungen der Abweichungen vom Mackerel-Typ.

Die Tabby-Zeichnung ist eine sehr komplexe Färbung, bei der die Agouti-Grund-farbe von dunklen Bereichen (Streifen) teilweise bedeckt wird. Die Grundfarbe wird vom Agouti-Allel beherrscht, die Haare sind in der bekannten Weise gebändert:
heller Haargrund, dunkles Band, gelbes Agouti-Band, dunkle Spitze. Bei den Haaren der Zeichnung entfällt diese Bänderung, sie sind bis auf den etwas helleren Haargrund kräftig durchgefärbt. Die „dunklen" Bänder und die Farbe der Zeichnung entspricht dabei immer der genetischen Farbe des Tieres, das Gelb des Agouti-Bandes bleibt innerhalb einer gewissen Variationsbreite von der genetischen Farbe unberührt. Lediglich die Verdünnungsfaktoren hellen auch das Agouti-Band auf. Die natürliche und eher unscheinbare grau-gelbe Tarnfarbe der Agouti-Bereiche hat sich durch Selektion zu einem warmen Braunton gewandelt. Nun zu den allgemeinen Merkmalen der Tabbys und zu der Mackerel-Zeichnung speziell. Die nachfolgend zu beschreibenden Attribute können und sollen bei einer guten Tabby-Katze zu finden sein, müssen es aber nicht. Wenn also bei Ihrer Katze eines oder mehrere Kennzeichen fehlen, dann ist und bleibt es trotzdem eine Tabby-Katze und damit eine Agouti-Katze. mit Ausnahme der „Roten" allerdings, die ja immer Tabbys sind, egal ob Agouti oder Non-Agouti.

KENNZEICHEN DER TABBYS

- Der Nasenspiegel ist rot oder rosa und in der Farbe des Fells (= genetische Farbe) umrandet.
- Die Fußballen und Sohlenstreifen in der genetischen Farbe.
- Das Kinn ist deutlich heller gefärbt als der übrige Körper, manchmal sogar fast weiß.

In der genetischen Farbe:
- klar gezeichnetes M auf der Stirn
- deutliche und ununterbrochene Umrandung der Augen
- von den äußeren Augenwinkeln durchgehende Linien zum Hinterkopf- dünnere Linien auf den Wangen
- eine, besser mehrere, nicht unterbrochene Halsketten
- Ringe an den Beinen und am Schwanz
- doppelte „Knopf-Reihe" an Brust und Bauch
- mehrere dünne Streifen auf dem Hinterkopf, die in Höhe der Schulter in den „Aalstrich" münden, einer durchgehenden Linie entlang der Wirbelsäule zur Schwanzwurzel. Der Aalstrich wird eventuell auf beiden selten von je einem Parallelband begleitet.

Die Mackerel- oder Tigerzeichnung speziell besteht aus schmalen, ununterbrochenen vertikalen Streifen, die vom Aalstrich oder den Parallelstreifen ausgehen und über die Flanken hinausreichen.
Als genetische Farben der Tabby-Zeichnung kommen alle bisher besprochenen Farben vor. Weil der Kontrast zwischen der Zeichnung und der Agouti-Grundfarbe möglichst deutlich sein soll, werden die besonders aufgehellten Farben wie Caramel, Taupe oder Fawn in der Tabby-Zucht meist ausgelassen. Des hohen Kontrastes wegen sind black-mackerel-tabby, chocolate-mackerel-tabby und cinnamon-mackerel-tabby besonders eindrucksvoll. Sie vermissen vielleicht das klassische brown- oder Brown-tabby. Aber die Bezeichnung brown-tabby ist schlicht und einfach falsch. Bei Tabby-Katzen bezieht sich die Farbe immer auf die Zeichnung. Brown-Tabbys sind eigentlich genetisch schwarz, denn die Zeichnung ist schwarz. Bei dem leider immer noch verwendeten brown-tabby dagegen bezieht sich die Farbbezeichnung auf den warmen Braunton der Agouti-Bereiche, also der Grundfarbe. Sie sollten diese falsche Farbangabe daher möglichst schnell vergessen.

Auch bei den verdünnten Farben blue-mackerel-tabby und lilac-mackerel-tabby ist der Kontrast auch genügend hoch, da durch die Verdünnung auch die Grundfarbe der Agouti-Bereiche aufgehellt wird.

Besonders eindrucksvoll sind die silbernen Varianten der Tabbys. Das Inhibitor-Allel (I) behindert die Melanineinlagerung in den insgesamt weniger pigmentierten Agouti-Bereichen deutlicher als in den kräftiger gefärbten Haaren der Zeichnung. Daher ist der Kontrast bei den „Silbernen" im allgemeinen höher als bei den entsprechenden „Nicht-Silber"-Farbschlägen. Gezüchtet werden hauptsächlich die Farben (black)silver-mackerel-tabby, bluesilver-mackerel-tabby, chocolatesilver-mackerel-tabby und lilacsilver-mackerel-tabby.

ALLEL == BLOTCHED- ODER CLASSIC-TABBY

Blotched-Tabby war früher auf Ausstellungen die Tabby-Katze schlechthin, sie ist sozusagen die „klassische" Variante der Tabbys, daher classic-tabby oder häufig auch nur tabby allein. Andere Namen sind „gestromte Katzen" oder „Marmorkatzen". Das englische blotch bedeutet Fleck oder Klecks und beschreibt damit den wichtigsten Unterschied des Mackerel-Tabbys:
Auf den Flanken befindet sich je ein großer Fleck, der von einem oder mehreren kräftigen Ringen eingekreist ist (Räderzeichnung), und die vom Hinterkopf ausgehenden Linien münden nicht in den Aalstrich, sondern gehen in ein Schmetterlingsmuster auf beiden Schultern über, das idealerweise ebenfalls einen zentralen Fleck aufweist.

Bei den Blotched-Tabbys ist die Zeichnung im Gesicht nicht so fein wie bei den Mackerel-Tabbys, und die Ringe an den Beinen und am Schwanz sind breiter. Dazu kommt noch, daß Blotched-Katzen im allgemeinen stärker pigmentiert sind und der Kontrast zwischen den Agouti-Bereichen und der Zeichnung höher ist. Sie hinterlassen insgesamt einen kräftigen kontrastreichen Farbeindruck und sind auch heute noch die klassischen Tabby-Ausstellungskatzen. Die Farben entsprechen denen bei den Mackerel-Tabbys und brauchen nicht extra aufgeführt werden.

Das Allel tb ist eine Mutation des T-Allels und gegenüber T rezessiv. Für blotched- oder classic-tabby gibt es daher nur einen Genotyp (tb/tb), während für mackerel-tabby zwei Genotypen in Frage kommen (I/T und Z/Tb).

ALLEL Tª = ABESSINIER-TABBY

Auch die Abessinier (engl.: Abyssinian), deren langhaariges Pendent, die Somali und die Singapure, eine Kombination von Burma- und Abessinier-Allelen (cbcb,. TªTª), sind Tabby-Katzen. Man erkennt es daran, daß das Gesicht, manchmal auch noch Beine und Schwanz gezeichnet sind, die Streifen sind dann jedoch feiner als bei Mackerel-Tabby. Die Körperfarbe ist die der Agouti-Bereiche bei den gezeichneten Katzen, das gelbe Agouti-Band tritt jedoch gegenüber der genetischen Farbe in den Hintergrund, ist aber in jedem Fall erhalten. Man beschreibt das auch so: Der ganze Körper ist agouti-geticked.

Tª ist die zweite bekannte Mutation des T-Allels. Das Tª-Allel ist semidominant (halbdominant) über T und tb. Semidominant bedeutet, daß bei Heterozygoten der Phänotyp zwar eher dem dominanten Allel entspricht, die Wirkung des rezessiven Allels jedoch deutlich erkennbar bleibt. Daher zeigen heterozygote Absessinier (Tª/T und TªTb) immer deutliche Streifen an den Beinen und Ringe am Schwanz. Das züchterische Ideal der Zeichnungsfreiheit kann nur durch konsequente Linienzucht mit homozygoten Tieren (Tª/Tª) erreicht werden.

GEISTERZEICHNUNG IST ETWAS VÖLLIG NATÜRLICHES

Bevor wir zu den einzelnen Abessinier-Farben übergehen, ist ein kleiner Einschub über züchterische Ideale und Rassestandarde angebracht. Wie eingangs beschrieben ist das helle Kinn eines der für das Agouti-Allel geradezu typischen Merkmale. Trotzdem ist es unerwünscht, und das trotzige Beharren der Richter und Rassestandardschreiber auf ein derartiges, der genetischen Natur widersprechende Zuchtziel treibt die Züchter dazu, immer neue Methoden zu „Erfinden", um die Natur zu „verbessern". Vielleicht sollte man sich eher darauf konzentrieren, das bestehende zu erhalten und nicht darauf, intolerant genetische Unmöglichkeiten durch häufig widernatürliche Tricks möglich zu machen. Dasselbe gilt für die „Zeichnungsfreiheit", nicht nur bei Abessiniern, sondern auch bei anderen Rassen. Aber bleiben wir zunächst bei den Abessiniern. Es sind Agouti-Katzen. Entsprechend den genetischen Gegebenheiten sind alle Agouti-Katzen gleichzeitig auch Tabby-. Katzen, und Tabbys sind nun mal getigert, gestromt oder getupft. Das Ta-Allel ist eine Mutation und eine Mutation überdeckt oder verdrängt den Wildtyp selten vollständig. Die Tatsache, daß Ta nur semidominant über die beiden anderen Tabby-Allele ist, verdeutlicht noch die Unvollkommenheit der Mutation. Warum dürfen denn noch nicht einmal Jungtiere als Geisterzeichnung und noch weniger Erwachsene als rudimentäre Zeichnung ihre wahre genetische Natur zeigen? Apropos „Geisterzeichnung":
Auch die einfarbigen Katzen sind genetisch Tabbys., wie doch wohl jetzt hinreichend klar geworden ist, und jede Tabby-Zeichnung, vielleicht die ursprünglichste Zeichnung überhaupt. Die Ausprägung kann lediglich durch Epistasie der Non-Agouti-Allelenkombination (a/a) verhindert werden. Man kann sich an den fünf Fingern abzählen, daß solche Epistasie-Hypostasie-Beziehungen nicht schlagartig einfach da sind, sondern sich während der Entwicklung einer befruchteten Eizelle zum erwachsenen Tier erst langsam aufbauen. Warum werden diese allgemein bekannten Tatsachen ignoriert und „Geisterzeichnung" bei Jungtieren immer noch als ein Fehler (wohl der Natur!) apostrophiert? Das führt doch nur dazu, daß sich Züchter ins Bockshorn jagen lassen und durch hanebüchene Kreuzungen und Bastardisierungen versuchen, die bemängelte natürliche „Geisterzeichnung" zu entfernen, um der Natur damit zu zeigen, was Sache ist. Ich kann nur an Sie als Züchter appellieren: lassen Sie sich nicht durch vernichtende Urteile oder Vorurteile verunsichern, versuchen Sie in Ihrem Zuchtprogramm so nah wie möglich an den von der Natur vorgegebenen genetischen Grundtypen zu bleiben. An Richter und vor allem an die, die Rassestandards entwickeln, richte ich die Bitte, ihre Idealvorstellungen von einer bestimmten Rasse oder einem bestimmten Farbschlag auf den zugrunde liegenden Genotyp hin zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

DIE FARBCODES DER ABESSINIER

Aber nun von den zugegebenermaßen etwas hart formulierten kritischen Anmerkungen zurück zu den Abessinier-Farben. Der wildfarbene Abessinier ist eigentlich genetisch schwarz und stellt damit den ursprünglichen Phänotyp dar. Dann kommen die schon bekannten Farben blauer Abessinier, chocolate Abessinier und Lilac (lavender) Abessinier. Außerdem sind alle schon besprochenen Silber-Varianten bei den Abessiniern möglich: (black)silver Abessinier, bluesilver Abessinier und lilac-silver Abessinier.

Das Wort Abessinier ist bei der Langhaar-Version natürlich durch Somali zu ersetzen. Singapura bedeutet dementsprechend nichts anderes als burmafarbene Abessinier. Dadurch werden solche Wortungetüme wie „wildfarbene, Abessinier-tabby Somali" vermieden. Sie brauchen sich nur zu merken, daß Abessinier, Somali und Singapura genetisch immer Abessinier-Tabby-Katzen (Tª/Tª) sind.

Aber es fehlen ja zumindest bei den Abessiniern und Somalis noch einige Farben. Der „rote" Abessinier ist eigentlich genetisch gar nicht rot, sondern cinnamon (b'b', C/-, D/-). Daher ist die Bezeichnung Sorrel-Abessinier aber dazu geeignet, diesen Farbschlag von den „echten" roten Abessiniern zu unterscheiden. Das gleiche gilt für den „creme" Abessinier, der eigentlich fawn (b'/b', D/-, d/d) ist. Durch den treffenderen Ausdruck beigefarbener Abessinier wird eindeutig vom „echten" creme-Abessinier unterscheiden.

Was jetzt noch bleibt, sind die getupften Katzen, die ja bekanntlich auch in die Tabby-Serie gehören. Aber auch dazu müßte ich wieder etwas weiter ausholen, denn die Entstehung der Tupfen ist aus genetischer Sicht nicht so einfach zu erklären. Also heben wir uns das für das nächste Mal auf. Dann ist auch eine neue Tabelle fällig. Wir werden aber dann für die Agoutis und die Non-Agoutis je eine eigene Tabelle entwickeln, sonst wird die ganze Sache doch zu unübersichtlich.

 

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